Bericht über den Besuch der Mugeza Mseto Schule

Endlich habe ich die Zeit gefunden, den schon lange geplanten  Bericht über den Besuch der Mugeza Schule in den Osterferien 2107 zu schreiben.

Gemeinsam mit einem Vertreter des Rotary Clubs Bremen erreichten wir am 12. April 2017 nachmittags die Mugeza Mseto Schule, wo uns bereits Vertreter der Bezirksregierung, der Architekt und Bauunternehmer, der Schulleiter, einige Elternvertreter zum lange im Voraus geplanten Treffen erwarteten.

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Bild: Meeting in der Schule und Elternvertreter

Dieses „Meeting“ war dringend notwendig geworden, um die verschiedenen Pläne des Sanitärneubaus, sowie Fragen zur Ausstattung und Finanzierung zu klären und zu koordinieren. Mittlerweile waren durch UNICEF Finanzierung bereits neue Unterkunftsgebäude und auch zwei Sanitärgebäude im Rohbau errichtet worden, so dass wir unsere Unterstützung auf die Ausstattung der der neuen Sanitäranlage und die Zuwegung zwischen den Gebäudeteilen beschränken konnten.

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Bild: Neubauten

Durch den Rotary Club wird nun eine Solaranlage und deren Installation, sowie die Innenausstattung der Sanitärgebäude mit behindertengerechten Toiletten-sitzen und Waschgelegenheiten. Auch das Abwassermanagement , d.h. die Ent- sorgung bzw. auch Aufbereitung der anfallenden Abwässer durch den Rotary Club Bremen gemeinsam mit UNICEF finanziert. Bei der Ortsbegehung gab es jedoch noch eine ganze Reihe von Fragen und ungelösten Problemen. Aus diesem Grunde, ist vereinbart worden, dass gerade für die Abwasserproble-matik noch Spezialisten von BORDA (Bremer Umweltunternehmen mit Zweig-stelle in Tanzania) hinzugezogen werden sollten. Die behindertengerechte Zu-wegung und Instandsetzung der bereits vorhandenen, aber beschädigten Wege übernimmt der „Förderverein Mugeza-Mseto Schule“, der insbesondere durch die Geldzuweisungen der „Rest Cent Initiative“ des Gesamtpersonalrats Bremen, die dazu benötigten Mittel aufbringen kann.

Das Treffen endete schließlich am späten Nachmittag und wir konnten nach der langen und anstrengenden Anreise endlich etwas Ruhe finden. Aufgrund meiner letzten Besuche in Bukoba hatten wir eine ausgezeichnete Unterkunft mit hervorragender Verpflegung und sensationellen Blick auf den Viktoriasee.

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Bild: Blick auf Victoriasee

Am nächsten Tag (Karfreitag) fand ein weiteres Treffen im Büro den Bezirks-gouverneurs von Bukoba statt. Da es in der Vergangenheit verschiedentlich Problem gab, wenn Hilfsgütern an die Schule versandt wurden, kam man überein, dass alle nunmehr Sendungen direkt an die Bezirksregierung adressiert werden sollen. Damit kann sichergestellt werden, dass zum einen keine Zoll oder andere Gebühren entrichtet werden müssen und dass die Sendungen amtlich vereinnahmt werden. Dadurch diesen offiziellen Weg sollen unnötige Kosten Missbrauch und Korruption vermieden werden.

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Bild: Meeting mit dem Bezirksgouverneur

Darüber hinaus wurde die finanzielle Beteiligung der Bezirksregierung angesprochen und an die bereits erfolgte Zusage von 12 Mill. Tsh erinnert. Insbesondere war es der Bremer Delegation wichtig darauf hinzuweisen, wie wichtig uns ein „Facility Manager“ (Hausmeister) für die Schule wäre. Sowohl um Wartung der Solar- und Sanitäranlage zu gewährleisten, aber auch um un-bedingt notwendige Reparaturen bzw. Instandhaltungsarbeiten in der Schule durchführen zu können. Ein solcher „Facility Manager“ könnte die Schüler auch zu Holz-, Bau-, Metall- oder Gartenarbeiten anleiten. Dies wäre ein doppelter Gewinn für die Schule und Schüler, denn damit solchen Kenntnissen und Fähig-keiten ausgestattet, könnten die Jugendlichen eine Berufsperspektive ent-wickeln und ihr Dasein in der Schule wäre  so sehr viel spannender und hilfreicher. Dies gilt umso mehr für die körperbehinderten Kinder, Roll-stuhlfahrer und Albinos.

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Bild: nach dem Meeting beim Gouverneur

Am Samstag besuchten wir ein privat geführtes Krankenhaus in Bukoba. Erneut wurde deutlich, unter welchen schwierigen Umständen Ärzte und Kranken-häuser ihre Patienten behandeln hier müssen. Gleichwohl schlechter war es in einem öffentlichen Krankenhaus bestellt. Sowohl die Ausstattung mit medi-zinischen Geräten, Hilfsmitteln und Medikamenten als auch die Hygiene-zustände waren katastrophal. Es sind die einzigen Krankenhäuser in der Um-gebung, die  für eine Gebiet zuständig sind, das so groß ist wie das Saarland.

Am folgenden Sonntag wurden wir zu einem erneuten Besuch in der Schule eingeladen. Der Bezirksgouverneur, die Lehrkräfte und Matrons und Patrons und wir waren zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. Die Schüler konnten zur Feier des Tages Reis mit Fleisch essen und bekamen auf Kosten der Bezirks-regierung auch eine Flasche Soda zu trinken.

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Bild: Mittagessen in der Schule

Überraschend für mich war es, dass aus Schutzgründen mittlerweile sehr viel mehr Albino-Kleinkinder (4 – 10 Jahre) auf dem Schulgelände wohnen und von den Sozialarbeitern so gut wie möglich betreut werden.

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Bild: die kleinsten Albinos

Nun konnte ich auch einige kleine Geschenke überreichen. Für die Albinos konnte  ich den Matrons wieder einige Tuben Zinksalbe und Sonnenbrillen geben,  für die blinden Schüler hatte ich 2 kleine Radios mitgebracht und noch diverse kleine Mitbringsel zum Malen und Spielen.

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Bild: Verteilung der Sonnenbrillen

Während des anschließenden Rundgangs  hatte ich die Gelegenheit, dem Bezirks-gouverneur einige Unzulänglichkeiten der Schule zu zeigen bzw. darüber zu berichten. So konnte ich ihm u.a. die mangelnde medizinische Versorgung der Kinder (insbesondere der Albinos) nahebringen, die trostlosen Unterrichtsräume, Lehrmittel und defekten Braille-Schreibgeräte für die blinden Schüler zeigen, und ihm darlegen, dass die Schule mit nur 3 Sozialarbeitern (für ca. 160 Kinder)  unterversorgt ist. Der Gouverneur zeigte sich insgesamt doch recht betroffen und gab noch vor Ort verschiedene An-weisungen an den Schulleiter binnen einer Frist, bestimmte Maßnahmen durchzuführen bzw. Abhilfe zu schaffen.

Auf dem Rundgang wurde auch die Brunnenbohrung besichtigt, die mit Hilfe der „Rest Cent Initiative“ im Mai 2016 durchgeführt worden war. Die an sich erfolgreiche Bohrung ist leider durch das Erdbeben im September 2016 stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so dass jetzt nur noch wenig Wasser zur Versorgung der Schule aus dem Brunnen gewonnen werden kann. Vielleicht gelingt es, das Bohrloch mit Spülungen zu säubern, damit es wieder voll funk-tionsfähig ist. Andererseits ist von UNICEF geplant, im Rahmen der neuen Sanitäranlage auch ein weitere Bohrung zur Wassergewinnung durchzuführen.

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Bild: Rundgang, defekter Brunnen

Zum Abschluss des Rundgangs wurden vom Patron (männl. Sozialarbeiter) an-gesprochen. Durch das Erdbeben sind Mauern und das Dach seines Hauses eingestürzt und er wohnt seit dieser Zeit mit seiner Frau und 3 Kindern in einem 3x4m großem Zelt ohne Fenster und bei Regen läuft das Wasser durch das Zelt. Als Notfallhilfe habe wir daher dem Patron für den Wiederaufbau seines Hauses 200,- €  zur Verfügung gestellt.

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Bild:  Vom Erdbeben zerstörtes Haus des Patrons

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Bild: Schreiben des Patrons mit der Bitte um finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau seines Hauses

Am Donnerstag flog ich von Bukoba über Mwanza nach Dar-es-Salaam, um mit der Geschäftsführerin von BORDA (Abwassermanagement) über das Projekt in der Schule zu sprechen und die Ortsbegehung mit einem BORDA-Experten ab-zusprechen.  Auch dabei geht es natürlich um die Frage, wer die Kosten für diese Expertise tragen soll. Hierzu ist noch keine abschließende Klärung erfolgt.

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Bild: BORDA Abwasserreinigung und Hygienehinweise

Am Montag der folgenden Woche konnte ich auch noch mit der Vorsitzenden der kanadischen Organisation „UNDER THE SAME SUN“ sprechen. Diese Organisation kümmert sich speziell und direkt um die Situation und Probleme der Menschen mit Albinismus in Tanzania. Natürlich kannte man dort die Mugeza Mseto Schule. Mit meinen aktuellen Fotos und persönlichen Ein-drücken konnte ich jedoch Veranlassung geben, dass die Schule von der Organisation im September 2017 erneut besucht wird, um die Lebensumstände der Albinos in der Schule zu begutachten bzw. um eine Verbesserung zu er-reichen.

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Bild: Albino Flyer

Am 26. April flog ich von Dar-es-Salaam zurück nach Deutschland und musste mich in Bremen wieder mit 10°Cel begnügen.

Anmerkung:  sämtliche Reisekosten und auch die „Erdbebenhilfe“ wurden rein privat finanziert und haben das Vereinskonto nicht belastet.

Edgar Schmitz

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